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AWO-Sozialbarometer zeigt: Keine Gleichberechtigung in Sicht

21.08.2015 „Es gibt in der Gesellschaft ein klares Bewusstsein für das Problem von Geschlechterungerechtigkeiten“, erklärt AWO Vorstandsvorsitzender Wolfgang Stadler anlässlich des aktuellen AWO Sozialbarometers. Die Zahlen zeigen aber auch, dass zwischen den Geschlechtern zum Teil gravierende Unterschiede in der Wahrnehmung existieren. „Es bestehen offenbar weiterhin alte Rollenmuster in den Köpfen“, ergänzt Stadler. Hintergrund ist, dass 56 Prozent der Befragten die Frauen in Deutschland „eher nicht gleichberechtigt“ sehen. Interessant: Nur 47 Prozent der befragten Männer sehen dies auch so; über die Hälfte (52 Prozent) ist gar der Meinung, es gehe „eher gleichberechtigt“ zu in Deutschland. Im Gegensatz dazu finden 65 Prozent der Frauen, dass sie „eher nicht gleichberechtigt“ sind.

Bei der Besetzung von Führungspositionen sehen 63 Prozent der Befragten große Ungleichheiten (hier 59 Prozent Männer, 66 Prozent Frauen). „Deutlich wird, dass Themen wie eine Frauenquote in Führungspositionen nur ein kleiner Baustein auf dem Weg zur umfassenden geschlechtergerechten Politik sind. Eine moderne Gleichstellungspolitik braucht eine vernünftige Arbeits- und Sozialpolitik für Frauen“, fordert der Vorstandsvorsitzende. Frauen stärker in die Arbeitswelt einzubeziehen führt jedoch nicht automatisch zu mehr Gleichberechtigung. 59 Prozent der Befragten sehen große Ungleichheiten bei Löhnen und Gehältern. Auch hier ist erneut die unterschiedliche Auffassung zwischen Männern und Frauen interessant: Nur 49 Prozent der Männer, aber 69 Prozent der Frauen sehen bei Löhnen und Gehältern große Ungleichheiten.

„In diesem Zusammenhang muss bedacht werden, dass Frauen unter anderem aus Gründen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehrheitlich im Teilzeit- und Leiharbeitsbereich tätig sind“, erläutert Stadler. Frauen sind insgesamt eher in schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnissen tätig. Von einer Gleichberechtigung in der Arbeitswelt ist Deutschland noch weit entfernt. Hinzu kommt, und das belegen andere Untersuchungen, Frauen machen inzwischen eher Karriere, verdienen aber meist weniger als Männer. Darüber hinaus kumulieren sich aufgrund kinder- oder pflegebedingter Erwerbsunterbrechungen die Einkommensdifferenzen zwischen Frauen und Männern. All dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Absicherung im Alter. 46 Prozent (51 Prozent der Frauen, 41 Prozent der Männer) der Bevölkerung sehen in dieser Frage große Ungleichheiten, 34 Prozent geringe Ungleichheiten. „Da Frauen insgesamt eher in schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnissen tätig sind, können sie auch weniger für die Vorsorge leisten und später von ihrer Rente kaum leben“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende. „Wir fordern deshalb ein Entgeltgleichheitsgesetz als wichtiges Signal für Frauen, dass ihr Engagement und ihre Leistung am Arbeitsmarkt genauso viel wert sind, wie die der Männer.“

Trotz weitreichender rechtlicher Gleichstellung sind zentrale Ressourcen wie Zeit, Macht und Geld in Deutschland zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt. Insgesamt gilt es, die allgemeinen Entlohnungsungerechtigkeiten abzuschaffen; die Kinderbetreuungssituation so zu gestalten, dass beide Elternteile zu gleichen Teilen erwerbstätig sein können. „Genauso wichtig aber wird es sein, und das zeigen die Zahlen des Sozialbarometers, einen grundlegenden Mentalitätswandel herbeizuführen. Bestehende Rollenbilder müssen konsequent hinterfragt und ausgeräumt werden“, schließt Stadler ab.
Das AWO-Sozialbarometer fragt nach sozialpolitisch relevanten Themen in Deutschland. Die Studie wird von TNS-Infratest durchgeführt.

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