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AWO fordert: Armut als Problem anerkennen und nach Lösungen suchen

05.11.2015
„Es wird viel geredet, aber noch zu wenig getan. Die bisherigen Bemühungen verfehlen offensichtlich ihr Ziel“, kommentiert der AWO  Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute veröffentlichten Ergebnisse der Studie Leben in Europa 2014. Demnach ist die Armutsrisikoquote in Europa und auch in Deutschland seit sechs Jahren konstant hoch. Von 2013 auf 2014 ist sie deutschlandweit sogar um 0,6 Prozentpunkte angestiegen. „Der Handlungsbedarf ist groß. Wir benötigen ein Gesamtkonzept zur Armutsvermeidung mit dem Ziel Ungleichheiten zu überwinden und den solidarischen Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken“, bekräftigt Stadler.

Die Bundesrepublik muss zusätzlich mit einer steigenden Zahl von Asylsuchenden umgehen. Stadler sieht hier die Gefahr von Verteilungskonflikten: „Wir dürfen nicht zulassen, dass es zu einer Spaltung der Gesellschaft kommt. Soziale Teilhabe muss allen Menschen zuteilwerden.“ Seit vielen Jahren beschäftigen sich Politik, Wissenschaft und Praxis mit der Frage wie Armutsbekämpfung und –Vermeidung gelingen kann. Doch die häufig übliche Haltung, der oder die Einzelne trage allein die Verantwortung, sich aus problematischen Situationen zu befreien, ist wenig zielführend. „Es muss an institutionellen Strukturen gearbeitet werden, die arm machen und dafür verantwortlich sind, dass sich Armut vererbt“, betont Stadler. Dafür müssen beispielsweise die Zugänge zum Bildungssystem und zum Arbeitsmarkt chancengerechter gestaltet werden zum Beispiel durch die deutschlandweite Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, das eine systematisch Auslese von Schülerinnen und Schülern vornimmt. Oder durch die Einführung einer integrierten Ganztagsschule, in der Schule und Jugendhilfe in einem Konzept zusammengefasst wird. „Wir fordern eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik, die Qualifizierungs- und Beschäftigungskonzepte im Interesse der Erwerbslosen vorsieht“, so Stadler. Auch das System der Grundsicherung sei an mehreren Punkten zu überarbeiten: die Berechnung der SGB II-Regelbedarfe müsse neu angesetzt und um qualitative Erhebungen ergänzt werden. Genauso müsse die Frage der Zumutbarkeit von Arbeitsangeboten für Arbeitsuchende neu in den Blick genommen werden.