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AWO fordert: Sozial- und Gesundheitsberufe stärken

21.04.2015 „Die sozialen Berufe müssen viel stärker in den Mittelpunkt der Diskussionen rücken, vor allem in Politik und Gesellschaft“, erklärte der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler am Dienstag in Berlin. So hat eine nun veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKEN einmal mehr bestätigt, dass atypische Beschäftigung im Sozial- und Gesundheitssektor weit verbreitet ist. Demnach sind 56 Prozent aller Beschäftigten in Teilzeit  tätig und 74 Prozent aller Neueinstellungen befristet. In der Tendenz steigen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse noch. „Das bedeutet aber nicht, dass all diese Beschäftigungsverhältnisse ungewollt sind“, stellt Stadler klar, fügt aber hinzu: „Tatsache ist jedoch, dass unsere atypisch beschäftigten Kolleginnen und Kollegen nur schlecht sozial abgesichert sind. Wer aber möchte, dass sich die atypische Beschäftigung verringert, muss auch bereit sein, die Refinanzierungsstrukturen zu verändern.“ Die AWO setzt sich seit langem für einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag Soziales ein. Nur dieser kann sicherstellen, dass der Wettbewerb nicht über die Löhne der Beschäftigten, sondern über die Qualität der Leistungen geführt und entschieden wird.

Stadler fordert eine grundsätzliche Debatte um den Wert sozialer Arbeit und verweist auf die hohe Bedeutung dieses Sektors. Er ist eine zentrale Säule in einem modernen Wohlfahrtsstaat und hat wesentlichen Anteil daran, dass die Grundlagen der Arbeits- und Marktgesellschaft erhalten bleiben. „Ohne diese Leistungen sind Lebensqualität der Bevölkerung, Aufstiegsmobilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt massiv gefährdet“, betont der AWO Bundesvorsitzende. Zudem sei es auch aus einer Gleichstellungsperspektive heraus besonders bedeutend, hier anzusetzen, da es sich um frauendominierte Berufsfelder handelt. Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage weist für den Sozial- und Gesundheitssektor einen Frauenanteil von 84 Prozent aus.

Stadler verweist zudem darauf, dass der Sozialsektor in erster Linie über öffentliche Mittel (Sozialversicherungen, kommunale Leistungen etc.) refinanziert ist. „Der Staat hat in diesem Sektor die Chance und auch die Pflicht, die Rahmenbedingungen auszugestalten“, betont Stadler. Momentan müssen die Personalmanagementsysteme im sozialen Sektor die hohen und steigenden Flexibilitätsanforderungen von außen mit einer generell chronischen Unterfinanzierung vereinbaren können. Dabei spielen auch flexible Beschäftigungsformen eine Rolle.

Dass Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitssektor im Alter vergleichsweise schlecht abgesichert und sie von Altersarmut bedroht sind, hat gerade eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung eindrucksvoll herausgearbeitet. Ebenso sind diese Menschen schneller von   Arbeitslosigkeit bedroht und betroffen, als Beschäftigte anderer Bereiche.