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Arbeit schafft Teilhabe: Neue AWO-ISS-Studie verdeutlicht Reformbedarf bei Hartz IV

11.04.2014 Eine heute veröffentlichte Studie von AWO und dem Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik zeigt, wie dringend das SGB II überarbeitet werden muss. Für den AWO Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Stadler sind die Ergebnisse alarmierend. „Die Ergebnisse unterstreichen bedauerlicherweise erneut den umfassenden Handlungsbedarf im Hinblick auf die Ermöglichung von mehr Teilhabe für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen, insbesondere Langzeitarbeitslose. Diese Legislaturperiode müssen entschiedene Schritte gegen diese Entwicklung eingeleitet werden.“

Über 50 Prozent der arbeitslosen SGB II Bezieher fühlen sich der Gesellschaft nicht zugehörig. Hingegen fühlt sich wer auch wenig Einkommen hat, aber keine Leistungen bezieht, viel stärker als Teil der Gesellschaft. Die neue AWO-ISS-Studie ist den sozialen Folgen des Bezugs von SGB-II-Leistungen in Verbindung mit Arbeitslosigkeit noch tiefer auf den Grund gegangen: Nur 18 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger sind in Vereinen oder Organisationen aktiv. Hingegen liegt der Wert bei Menschen in gesicherter Einkommenssituation bei 55 Prozent. Darüber hinaus haben arbeitslose Leistungsempfänger in hohem Maße Freunde, die ebenfalls arbeitslos sind. „Was besonders besorgniserregend ist, dass die Prägung des Freundeskreises durch gleichzeitige Arbeitslosigkeit und SGB-II-Leistungen besonders junge Menschen beeinflusst“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende die Ergebnisse der Studie. Zudem hat das Forschungsteam erarbeitet, dass sowohl das Teilhabeempfinden als auch die Lebenszufriedenheit durch den Bezug von Hartz-IV-Leistungen sinken.
Durch den dauerhaften Leistungsbezug verfestigen sich zudem deutlich eher prekäre Lebenslagen. Denn die Einbindung in soziale Netzwerke und psychische Gesundheit sind auch auf dem Arbeitsmarkt wichtige Ressourcen. „Es besteht das Risiko eines Teufelskreises aus niedrigen Einkommen, Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit, der durch den Leistungsbezug verstärkt wird“, hebt Stadler hervor.

Umgekehrt zeigt die Studie, dass in erster Linie Erwerbsarbeit die Menschen aus ihrer Situation befreit. Wer einen Job hat, der bekommt wieder Zugang zur Gesellschaft, neue Kontakte und mehr soziale Zugehörigkeit. Das alles sind Voraussetzungen dafür, auch weitere Entwicklungen zu nehmen. An dieser Stelle setzt die AWO seit langem an: „Unsere Bundeskonferenz hat schon in 2012 ein umfangreiches Konzept verabschiedet, das Menschen über einen durchlässigen und zielgenauen sozialen Arbeitsmarkt Teilhabe ermöglicht“, erklärt Stadler und kritisiert die aktuellen Pläne der Bundesregierung.

Denn es wird sinnvolle öffentlich geförderte Beschäftigung benötigt, die langfristige Perspektiven und eine professionelle Begleitung für die Betroffenen schaffen. Hierfür muss dauerhaft Geld aus dem Eingliederungshaushalt bereitgestellt werden. Bisher sieht die Bundesregierung ein ESF-finanziertes Programm vor und spricht von 30.000 Geförderten. „Diese Zahl ist angesichts der Erfahrungen mit den bereits laufenden Programmen illusorisch“, berichtet Stadler. Die Arbeit mit Langzeitarbeitslosen sei zudem keine Sache, die man als Zusatzleistung über den ESF finanzieren sollte. „Das ist eine Kernaufgabe der aktiven Arbeitsmarktpolitik“, betont der AWO Vorstandsvorsitzende. „Unsere Studie belegt, dass der Weg in einen Job über Inklusion und Teilhabe führt. Das kann man nicht im Vorbeigehen erledigen.“