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Armutsgefährdung - Armutszeugnis für Deutschland

29.08.2013  „Das Risiko in einem wohlhabenden Land, wie Deutschland arm zu sein, steigt. Es ist höchste Zeit zu handeln", kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Armutsgefährdung. Demnach ist seit 2005 die Gefahr von Armut betroffen zu sein, in der gesamten Bundesrepublik gestiegen. So ist im Osten Deutschlands jeder fünfte und in den westdeutschen Bundesländern immerhin noch jeder siebente Bürger armutsgefährdet. „Diese Entwicklung ist nicht hinnehmbar. Die Bundesregierung sollte mit einer ausgewogenen Steuer- und Sozialpolitik die Kluft zwischen arm und reich in unserem Land bekämpfen“, fordert Stadler.

Wie besorgniserregend die Situation in Deutschland ist, zeigte bereits der im Herbst 2012 veröffentlichte 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Deutlich zeichnete sich darin ab: der Wohlstand steigt – doch nur die Reichen konnten profitieren. „Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“ hieß es in dem Bericht selbst. Für die AWO ist es deshalb höchste Zeit, noch genauer hinzuschauen, besonders in den betroffenen Regionen, wie etwa in einigen Großstädten des Ruhrgebiets aber auch in den ländlicheren Teilen im Osten des Landes. „Die besondere Bedarfe und Problemlagen vor Ort müssen identifiziert und mit gezielten Maßnahmen bekämpft werden“, appelliert Stadler an die Verantwortlichen.

„Als Ausprägung ihrer Sozialanwaltsfunktion versucht die AWO seit jeher, Armut zu überwinden und Menschen zu unterstützen. Deshalb ist es für uns besonders wichtig, differenzierte Analysen zu haben,“ erklärt Stadler und verweist beispielhaft auf ein Projekt in Mecklenburg-Vorpommern. Im Auftrag des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern  der AWO erforschen dort Wissenschaftler unterschiedlicher wissenschaftlicher Einrichtungen die tatsächliche Situation der in Mecklenburg-Vorpommern von Armut betroffenen Menschen. Die Studie soll belastbare Fakten über die wirtschaftliche und soziale Lage der von der Gesellschaft Benachteiligen freilegen und so Handlungsbedarfe identifizieren.

Die heutigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die das Armutsrisiko der Jahre 2012 und 2005 vergleichen, zeigen, dass die Armutsgefährdungsquote im Osten Deutschlands mit vormals 19,7 Prozent und nun 20,4 Prozent ungemindert hoch ist. Im Westen Deutschlands ist sie sogar noch gestiegen, von 13,2 Prozent im Jahr 2005 auf 14,0 Prozent im Jahr 2012. Gemäß der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten auskommen müssen. Um den Unterschieden im Einkommensniveau vor Ort Rechnung zu tragen, wird hierzu das mittlere Einkommen, der Median, in der jeweiligen Region herangezogen. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2012 galten im vergangenen Jahr beispielsweise Ein-Personen-Haushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 869 Euro als armutsgefährdet.