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Gleiche Wertschätzung und Chancen für Alleinerziehende

10.03.2014 „Dass jedes zweite Kind im Hartz-IV-Bezug in einer Ein-Eltern-Familie aufwächst, verdeutlicht den dringenden Reformbedarf mit Blick auf Alleinerziehende“, erklärt der AWO Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler. Seit Jahren ist die Situation von Alleinerziehenden   von denen rund 90 Prozent Frauen sind   und ihren Kindern bekannt. Die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung unterstreicht mit ihren erschreckenden Zahlen die Ergebnisse des vierten Armuts- und Reichtumsberichts. Dabei ist die Liste der Fehlentwicklungen lang: „Wer in Deutschland alleine Kinder erzieht, bildet und betreut, dem wird weder eine angemessene Wertschätzung für die Bewältigung dieser Leistungen entgegengebracht noch wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders unterstützt“, stellt Stadler klar. Die steuerrechtlichen Regelungen benachteiligen systematisch die Familienform. Darüber hinaus erschweren das Unterhaltsrecht, die Regelungen zum Barunterhalt des Kindes sowie zum Unterhaltsvorschuss die finanzielle Situation weiter.

„Die geforderte staatliche Unterstützung von Alleinerziehenden ist zugleich eine wirksame Strategie, die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Denn gerade die Kinder aus Ein-Eltern-Familien sind armutsgefährdet“, hebt der Vorstandsvorsitzende hervor. Dabei sind die Armutsrisiken eng mit den Vorschriften des SGB II verbunden. „Die heutigen Unterstützungssysteme sind viel zu kompliziert und Anrechnungsmodalitäten für die Betroffenen kaum nachvollziehbar“, ergänzt Stadler.

Heute gibt es ein Viertel mehr Alleinerziehende als 1996. Nicht nur der Anstieg dieser Zahl sollte die Politik zum schnellen Handeln bewegen. „Es ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz und der Anerkennung dieser Familien. Oft ist es keine geplante Entscheidung, die Verantwortung für Kinder allein zu übernehmen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Im Koalitionsvertrag der Regierung wird die Anhebung des Entlastungsbetrages für Alleinerziehende angekündigt. Laut Bertelsmann-Studie von Prof. Dr. Anne Lenze reichen diese Maßnahme keinesfalls aus, um die Situation dieser Familien zu verbessern. Alleinerziehende und deren Kinder brauchen umfassende Reformen, die sie materiell absichern, gemeinsame Zeit ermöglichen und den Kindern faire Bildungschancen eröffnen. „Für die Arbeiterwohlfahrt ist entscheidend, dass nicht die Familienform problematisiert wird, sondern die politischen Rahmenbedingungen für diese gleichwertige Form der Familie. Das zu erkennen, sollte im 21. Jahrhundert selbstverständlich sein“, schließt Stadler ab.